Rauschen
Ein Wahn beherrscht heute unser Leben. Der Wahn der Gleichzeitigkeit, der simultanen Teilhabe an allem, der vermeintlichen Aufhebung von Zeit und Raum. Der französische Medienkritiker Paul Virilio hat diesen Zustand als mediale Ghettoisierung und elektronische Apartheid bezeichnet. Und als den rasenden Stillstand einer Gesellschaft, als Koma.
Tanz, Choreographie, Bühne, Licht: Barbara Fuchs
Musik: Barbara Fuchs
Choreographie, Tanz: Erika Winkler, Jennifer Hoernemann, Odile Foehl
Barbara Fuchs geht den Thesen Virilios nach, übersetzt sie auf das Medium des Tanzes. Sie fragt: was geschieht wenn Körper immerwährend in Bewegung sind? Ergibt die Addition aller möglichen Bewegungen einen Nullpunkt, ähnlich wie die Summe aller hörbaren Frequenzen ein stimmloses Rauschen ergibt? Mündet auch im Tanz ein Zustand hoch aufgeladener Energie in absoluter Ruhe, in Stille?
Vier Tänzerinnen und der Komponist/Live Elektroniker Jörg Ritzenhoff erforschen das Chaos, die ständigen Verwringungen des Körpers und Klanges. Ihre Suche gilt der Erfahrbarkeit von Gleichzeitigkeit ebenso wie der Spannung, die im reglosen Verharren enthalten ist. Sie folgen nicht länger einem Inhalt, sondern werden selbst zum Inhalt der Performance. Ihr Aufeinanderbezogen-Sein, ihre Durchdringungen und ihre Vereinzelung konstruieren eine durch und durch flüchtige Choreographie. Die Performance rauscht buchstäblich durch das Publikum hindurch.
Eine eindrucksvolle Demonstration dessen, was Tanz an sinnlicher Unmittelbarkeit zu bieten hat.
Rauschen heißt die Produktion von Barbara Fuchs, in der es um die überfordernde Simultaneität von Ereignissen, unsere Urangst, etwas zu verpassen, geht. Sie bedient dieses Gefühl nicht mit platter Überflutungsdramaturgie, sondern analysiert es durch Abstraktion. Grandios mischt Komponist Ritzenhoff als Live-DJ die Geräusche unserer Stress-Gesellschaft.
... für die der Elektronik-Musiker Jörg Rritzenhoff, live zugegen, krasse und grandiose Klangwelten entwirft. Die Tänzerinnen dringen einander durch die Körper, durchklettern sich in Zweierpaaren, nehmen einander sekundenweise in Besitz – selten so aufregende Bewegungserfindungen gesehen. Auf tänzerische hohem Niveau rasen sie durch den Raum.
Gefördert vom Kulturamt der Stadt Köln, dem Ministerpräsidenten des Landes NRW, der SK Stiftung Kultur und Koproduziert vom Choreographen-Netzwerk BARNES CROSSING.
